„Shape", Ausgabe November 2002

ZUKUNFTS-JOBS MIT FITFAKTOR

Sie suchen eine neue Stelle? Frauen in Form eröffnet der Gesundheitsboom tolle Chancen: vom Nebenberuf bis zur großen Karriere.

Alle reden von der Krise – ein Wirtschaftszweig jedoch ist fit wie ein Turnschuh: die Ich-tu-was-für-meinen-Körper-Branche. Mehr als vier Millionen Deutsche trainieren mittlerweile in rund 6500 Studios, 27 Millionen sind sogar Mitglied im Sportverein. Prima für Jobsuchende: Hier wartet jede Menge Arbeit für Frauen, die Fitness lehren, managen, organisieren wollen. In den letzten Jahren entstanden sogar ganz neue Berufe wie Sport- und Fitness-Kauffrau oder Diplom-Fitness-Ökonom. Experten sehen die Zukunft rosig. „Die sekundären Dienstleistungen, dazu gehören die Fitness- und Gesundheits-Berufe, sind ein Wachstumsmarkt“, sagt Stefan Borne, beim Landesarbeitsamt Bayern für Berufsforschung zuständig. Wer Sport liebt, in Form ist und gerne mit Menschen arbeitet, findet genügend Möglichkeiten, das Hobby zum Beruf zu machen. Oft klappt der Einstieg sogar nebenbei - wie bei der Bürokauffrau, die abends im Fitness-Studio Aerobic-Stunden gibt.

Personal Trainerin

Mittwoch früh, kurz vor sieben in München-Solln. Personal Trainerin Kirsten Busch, 30, parkt ihren Wagen vor einem gepflegten Apartmentblock, drückt auf einen Klingelknopf. Kurz drauf erscheint ihre Klientin im schicken Fitness-Dress. Etwas verschlafen schlägt sie vor, es gemütlicher angehen zu lassen – sie hatte einen anstrengenden Tag gestern, viele Stunden im Auto. Kleine Programmänderung also – kein Problem für Kirsten Busch. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin mit zahlreichen Fortbildungen hat zwar wie üblich einen Trainingsplan vorbereitet, doch Flexibilität ist einer der Grundsätze des Personal Trainings. Schließlich kennt sie ihre Kundin gut, hat beim ersten Treffen Vorlieben, Gesundheit, Jobsituation abgeklärt - herausgefunden, worum es der Klientin geht: Die Handelsvertreterin wollte sich einfach fitter fühlen, weniger rauchen und nebenbei ein paar Pölsterchen in Muskeln verwandeln. Allein konnte sie sich nicht aufraffen.

Also holt die Trainerin Stöcke aus dem Auto und nach einem Warm-up wird das Laufen durch strammes Nordic Walken ersetzt. Zwischendurch gibt's ein paar Kräftigungsübungen. Und am Ende kommt die tragbare Massageliege zum Einsatz, der verspannte Nacken kriegt eine Extrabehandlung... und eine sehr viel aufgewecktere Vertreterin startet in den Arbeitstag.

Während Kirsten Busch nach Hause fährt, geht sie in Gedanken ihren Tagesablauf durch: ein Probetraining mit einem neuen Klienten, Trainingspläne für den nächsten Tag, die Buchhaltung wäre auch fällig. Spätnachmittag steht sie auf ihrem zweiten Business-Bein - als Fitness-Trainerin im Studio. Für Kirsten Busch die ideale Kombination. Einerseits Teamarbeit zu festen Zeiten und auf der anderen Seite der individuelle Einsatz im One-to-one-Bereich. Wobei das Personal Training eindeutig ihr Favorit ist, seit sie nach dem Studium in Rehazentren gearbeitet hat. Der Unterschied: Während die Patienten dort Fango und Massage eher passiv konsumierten, kommen ihre Klienten jetzt mit dem eindeutigen Wunsch, fitter, gesünder zu werden. Und sind auch bereit, dafür zu bezahlen.

Das Tolle an dem Job ist für Kirsten Busch, dass sie sich individuell einem Menschen widmen kann, Schritt für Schritt Vertrauen aufbaut - und sich mitfreut, wenn das Lieblingskleid wieder passt. Sie selbst kommt locker auf zehn Fitness-Stunden pro Woche - im Urlaub gönnt sie sich daher ein Kontrastprogramm: no Sports. Zumindest im herkömmlichen Sinn, denn auf der faulen Haut liegt sie auch nicht, sondern brettert auf der Enduro durchs Gelände. Ihr Hobby hat ihr auch schon beruflich etwas gebracht, als sie einen Ralleyfahrer wüstenfit für Paris-Dakar machen sollte. Er hat's geschafft.

Eva Wilhelm

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